Es war einmal?

Das Kaiserreich der Esche ist die beherrschende Macht in der Welt, so weit das Gedächtnis der Menschen nur zurückreicht. Es trägt Züge des hochmittelalterlichen deutschen Kaisertums, des Byzantinischen Kaiserreichs auf dem Höhepunkt seiner Macht, wie auch des kollabierenden römischen Imperiums der Völkerwanderungszeit. Oder blicken wir in einen Spiegel unserer eigenen Epoche?

Residenz des Reiches ist die Rabenstadt, die inmitten von Sümpfen im Geäst einer gigantischen Esche in die Höhe wächst. Dort thront der Kaiser auf dem Stuhl der Esche; sein Bart ist in den Baum hineingewachsen, hat Teil an ihrem Kapillarsystem, und die Ausläufer des Baumes wurzeln in allen Reichen der Welt. Wenn die Blätter des Baumes zu welken beginnen, Unruhe unter den Völkern erwacht, ist ein Thronwechsel nahe. Der neue Kaiser wird die vertrockneten Äste kappen, und der Baum wird an unvermuteter Stelle von Neuem austreiben.

Naturkatastrophen verheeren seit einigen Jahren das Reich. Was anfangs als Hintergrundmusik erscheint, wird im Verlauf der Erzählung deutlicher. Die Götter haben sich von den Menschen abgewandt. In den Provinzen brechen Aufstände aus, unter den Mächtigen entbrennen Bruderkriege. Fischschwärme verändern ihre Routen und stürzen das Küstenland in Hunger. Und die Grenzen sind nicht länger zu halten, als die Stämme der Steppe unter dem Mantel des Kaiserreiches Schutz suchen – auf der Flucht vor einer schattenhaften Macht, die fern im Osten der Welt ihre Banner hebt.

Es ist die Stunde von Menschen, denen die wenigsten ihrer Zeitgenossen zugetraut hätten, einmal eine bedeutende Rolle zu spielen in den Geschicken ihrer Welt. Menschen wie dem jungen Dieb Pol aus der reichen Handelsstadt Carcosa, von keinem Vater gezeugt, von keiner Mutter geboren. Vor allem aber ist es die Stunde der Frauen. Sölva, die Tochter des Morwa, Hetman der Nordlande, musste ihr Leben lang hinter ihren ehelich geborenen Brüdern zurückstehen. Und Leyken, die dunkelhäutige junge Frau aus dem Süden der Welt, hätte ihre Heimat inmitten der Wüste womöglich Zeit ihres Lebens niemals verlassen – wären nicht vollständig unerwartete Umstände eingetreten.

Die Vergessenen Götter zürnen.
Die Blätter der Heiligen Esche welken.
Die Welt gleicht einem Rad, das seine Spur verloren hat.

Ein Kampf von eschatologischen Dimensionen hebt an. Im Ringen um die Macht im Kaiserreich stehen sich zwei mächtige Frauen gegenüber, während  das Schicksal mit unbarmherzigen Schlägen näherrückt.

Die Königschroniken (01): Ein Reif von Eisen – ab 20. Oktober im Buchhandel.

Der Kampf um die Macht beginnt. Diese Seiten sollen in die Welt unserer Geschichte entführen.